Wahlen in Marokko
#21
Hallo Thomas,

Du schreibst:
Wenn ich recht  bin, bist Du einer derjenigen, die den Islam in Deutschland fördern. ..

Da musste ich ziemlich shmunzeln. .. Was heißt "den Islam in D fördern" ? Ich gehöre keiner Organisation an, wenn das gemeint ist! Dass ich als Moslem den Islam als die richtige Religion empfinde, ist außer Zweifel. Andere Religionen, insbesondere das Judentum und Christentum, haben allerdings ebenfalls ihre Berechtigung. .. Gott spricht im Koran überwiegend vom Menschen und Gläubigen und nicht von Moslems ... 

Die Wahlergebnisse sind erfreulich. Hoffen wir nur das die neuen Machthaber, insbesondere Korruption und Arbeitslosigkeit bekämpfen können. 

Gruß
Maghribi
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#22
(10.09.2021, 09:21)Maghribi schrieb: Die Wahlergebnisse sind erfreulich. Hoffen wir nur das die neuen Machthaber, insbesondere Korruption und Arbeitslosigkeit bekämpfen können. 

Hallo, 
die Wahlergebnisse sind letztendlich nur ein Ergebnis. Das letzte Wort hat wie immer der König und der entscheidet wer Minister wird oder wer nicht unabhängig vom Wahlergebnis.
MfG

Marco Wensauer
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#23
@Maghrebi,



Zitat:Wenn ich recht  bin, bist Du einer derjenigen, die den Islam in Deutschland fördern. ..





Ich habe irgend wo die Information gespeichert, dass Du etwas islamisches betreibst, Koranschule o.ä., od. etwas mit einer Moschee zu tun hast (mehr als nur beten) bzw. Funktionär einer muslimischen Gemeinschaft bist.

Ist das richtig?

Gerade deswegen wäre es interessant zu wissen, wie Du die Wahlschlappe der PJD empfindest.








.
Mit besten Grüßen,

Thomas



In Marokko ist alles möglich nur nichts schnell.
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#24
(10.09.2021, 10:59)Marc99 schrieb:
(10.09.2021, 09:21)Maghribi schrieb: Die Wahlergebnisse sind erfreulich. Hoffen wir nur das die neuen Machthaber, insbesondere Korruption und Arbeitslosigkeit bekämpfen können. 

Hallo, 
die Wahlergebnisse sind letztendlich nur ein Ergebnis. Das letzte Wort hat wie immer der König und der entscheidet wer Minister wird oder wer nicht unabhängig vom Wahlergebnis.



Genau das wurde gestern (9.9.) auch in den 20.00-Uhr-Nachrichten auf ARD so verlesen:

„Die letzte Entscheidung liegt beim Königshaus.“

Ich habe mich gefreut, dass Marokko dort aufgetaucht ist.
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#25
(09.09.2021, 22:02)Maghribi schrieb: …was die königliche Vision in Form eines Wunders ermöglicht hat. Ein Wunder für Marokko. Ein Wunder für die Sahararegionen in Marokko. Ein Wunder für ganz Afrika.


Das sind mir jetzt eindeutig ein paar Wunder zu viel. 
Ziemlich dick aufgetragen!
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#26
(10.09.2021, 17:59)Wolfgang schrieb:
(09.09.2021, 22:02)Maghribi schrieb: …was die königliche Vision in Form eines Wunders ermöglicht hat. Ein Wunder für Marokko. Ein Wunder für die Sahararegionen in Marokko. Ein Wunder für ganz Afrika.


Das sind mir jetzt eindeutig ein paar Wunder zu viel. 
Ziemlich dick aufgetragen!


@Wolfgang:

Das kommt uns nüchternen Deutschen nur so vor Wink . 
Die blumige Ausdrucksweise des Orients…Wir wundern uns! Smile Smile
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#27


Hallo, 
ein Wahllokal in Marokko....
MfG

Marco Wensauer
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#28
Seine Majestät König Mohammed VI. empfing am Freitag in Begleitung des Kronprinzen Moulay El Hassan den Präsidenten der Nationalen Versammlung der Unabhängigen (RNI), Herrn Aziz Akhannouch, den er zum Regierungschef ernannte und mit der Bildung der neuen Regierung beauftragte.

Diese Ernennung erfolgt im Einklang mit den Verfassungsbestimmungen und auf der Grundlage der Ergebnisse der Parlamentswahlen vom 8. September 2021.

Zur Klarstellung: der König ernennt ausschließlich den Chef der Partei, die die meisten Stimmen sich vereinigt hat. ... Und nicht wie oben behauptet wird: Die letzte Entscheidung trifft der König! Auch beim ARD klang das so, als könne das Volk zwar wählen, entscheiden tut am Ende der König.  So ein Blödsinn!
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#29
Hallo Maghrebi,

zum Teil stimmt die Aussage schon, dass der König letztendlich entscheidet, jedenfalls in wichtigen Belangen.

Denn:

Anders als in europ. Ländern, wo die Minister ausschließlich von den Parteien gestellt werden, die sich zu einer Regierungskoalition zusammen geschlossen haben, dürfen diese Parteien in Marokko nur etwa 2/3 der Minister stellen.
Die übrigen Minister werden vom König berufen!
Es sind die wichtigsten Ministerien und Bereiche, wo der König (unabhängig von einem Wahlergebnis) die Minister bestimmt, nämlich Aussenministerium, Innenministerium, Religion, Verteidigung, etc..



Meine Meinung:
Diese Minister können mitunter besser sein als die von Parteien bestimmte.




.
Mit besten Grüßen,

Thomas



In Marokko ist alles möglich nur nichts schnell.
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#30
@Thomas
Ich stimme dir zu.
Man schaue sich nur mal die ganze Ministerie­n in Deutschland an. Wie ist da mancher bei seiner Vita eigentlich­ zu seinem Posten gekommen? AKK Verteidigu­ngsministe­rin (zuvor von der Leyen), Spahn
Gesundheit­smister, Scholz Finanzmini­ster.....d­ie Aufzählung­ wäre unendlich.­
Wenn ich gelernter Kfz.-Meister bin, bewerbe mich doch auch nicht für den CFO-Posten bei einem Dax Konzern...­.
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#31
(09.09.2021, 09:39)bulbulla schrieb: Welche stellt die meisten Frauen?

DIE würde ich wählen.

Dann hättest du die PJD wählen müssen. 9 der 13 Abgeordneten sind weiblich:

https://telquel.ma/2021/09/10/legislativ...jd_1736438

Bei dieser Frauenquote dürften selbst deutsche Feministinnen vor Neid erblassen.
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#32
(10.09.2021, 23:08)Maghribi schrieb: Zur Klarstellung: der König ernennt ausschließlich den Chef der Partei, die die meisten Stimmen sich vereinigt hat. ... Und nicht wie oben behauptet wird: Die letzte Entscheidung trifft der König! Auch beim ARD klang das so, als könne das Volk zwar wählen, entscheiden tut am Ende der König.  So ein Blödsinn!

Hallo, 
das Königshaus kann, per Dekret direkt in die Arbeit der Regierung eingreifen, das Parlament auflösen, Neuwahlen anordnen. Das Königshaus ernennt sämtliche Minister und entlässt diese auch nach eigenen ermessen.
MfG

Marco Wensauer
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#33
(11.09.2021, 11:51)Mike schrieb:
(09.09.2021, 09:39)bulbulla schrieb: Welche stellt die meisten Frauen?

DIE würde ich wählen.

Dann hättest du die PJD wählen müssen. 9 der 13 Abgeordneten sind weiblich:

https://telquel.ma/2021/09/10/legislativ...jd_1736438

Bei dieser Frauenquote dürften selbst deutsche Feministinnen vor Neid erblassen.



Na ja,


ein Blick auf‘s Parteiprogramm sollte schon noch sein…!
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#34
Die PJD ist nur noch die achte Partei im Land. Sie schließt sich der Opposition an. Sie wird zehnmal weniger Abgeordnete haben. Der Misserfolg ist durchschlagend.

"Niemand hat ein solches Debakel erwartet", schrieb La Libre Belgique in ihrer Ausgabe vom 10. September. Die Islamisten der PJD haben ihre Mehrheit im Abgeordnetenhaus verloren und sind auf den achten Platz abgerutscht. Von 395 Abgeordneten hatten sie 125 und werden nach dem vorläufigen Ergebnis nur noch 12 haben. Auf der anderen Seite gewann die Nationale Versammlung der Unabhängigen, die seit fünf Jahren den Anspruch erhoben hatte, die Regierung zu führen. Als vierte politische Kraft nach den Parlamentswahlen 2016 konnte sie mit 97 Abgeordneten die Führung in der Kammer übernehmen, gefolgt von der Partei für Authentizität und Modernität (PAM) und Istiqlal.

"Die PJD zahlte den Preis für ein Sanktionsvotum, mit dem sie nicht gerechnet hatte, und für die Kombination von Parlaments-, Kommunal- und Regionalwahlen am selben Tag", so David Goeury, Geograph und Forscher am Laboratorium Mediations der Sorbonne. "Die Verbindung der Wahlen, die darauf abzielt, dass die Parlamentswahlen von dem Interesse profitieren, das die Wähler normalerweise für die Kommunalwahlen aufbringen, hat die Wähler offensichtlich dazu gebracht, bei beiden Wahlen die gleiche Wahl zu treffen. Allerdings konnte die PJD nur 8.681 Kandidaten für die Kommunalwahlen aufstellen, während es bei den Wahlen 2015 16.000 waren", erklärte er.

Nach Angaben der belgischen Zeitung ist es den Islamisten nicht gelungen, ihre lokalen Relais aufrechtzuerhalten, während die RNI 80 % der Gemeinden abdeckt. "Es ist auffallend, dass die Anzahl der Kandidaten, die die Parteien für die Gemeinden aufstellen konnten, perfekt mit ihren Ergebnissen bei den Parlamentswahlen korreliert. Damit ist die RNI die erste Partei mit 25.492 Kandidaten. Danach folgt die PAM mit 21.187 Kandidaten, dann die Istiqlal. Die PJD liegt nur an achter Stelle hinter der UC", so David Goeury gegenüber der gleichen Quelle.

Die PJD konnte nur wenige Kandidaten aufstellen, weil sie sie wahrscheinlich enttäuscht hat, berichtet die belgische Tageszeitung. "Die gewählten Vertreter der PJD vergaßen, dass ihre Wähler und Unterstützer vor Ort von ihnen erwarteten, dass sie lokale Projekte finanzieren und entwickeln", erklärt der Forscher. "Sie mussten Projekte aus ihren Wahlkreisen bei der Landwirtschaftsdirektion der Provinz oder anderen dezentralen Direktionen einreichen, weil die Nachfrage so groß ist, dass es ein Warteschlangensystem gibt. Gewählte Beamte müssen ihre Akten verteidigen, um sie an die Spitze des Stapels zu bringen".

"Bisher hatte die PJD ihre Wahlstrategie auf ihre Fähigkeit gestützt, einen kleinen Teil der städtischen Bevölkerung zu überzeugen, von dem man annahm, dass er loyal und mobilisiert sei, der aber schließlich ausstieg", heißt es weiter.

Die RNI hat sehr früh eine Kampagne gestartet. "Ab November 2019 startet sie das Programm "100 Tage 100 Städte" und will damit die Bevölkerung kleiner und mittlerer Städte erreichen. Diese lange Kampagne füttert ihre Facebook-Seite regelmäßig mit Videos, für die sie 300.000 Dirhams ausgibt", heißt es. "In den sozialen Netzwerken setzt die Partei auf ein Programm, das diese Themen aufgreift: die Einführung einer Mindestrente im Alter, den Schutz der Arbeitnehmer, eine Krankenversicherung für alle, einen Plan für Menschen mit Behinderung und eine monatliche Unterstützung für Familien für jedes Kind. Eine erfolgreiche Strategie angesichts der Apathie der PJD"
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#35
Julien Dray: Marokko hat an der Wahlurne gezeigt, dass der Kampf gegen den Islamismus nicht aussichtslos ist.
Le Matin

In einer Sendung auf Cnews, die den Anschlägen vom 13. November in Frankreich gewidmet ist, unterstreicht Julien Dray, Vorsitzender der PS, die außergewöhnliche Wahlerfahrung in Marokko am 8. September, die zu einer Abwahl der Islamisten führte, die seit 2011 an der Macht sind, und bedauert die mangelnde Medienberichterstattung in Frankreich.

Die Wahl am 8. September spiegelt das Debakel der PJD in Marokko wider. Die Bevölkerung hat den Islamisten ihr Vertrauen entzogen. Die Aussage von Julien Dray auf Canal+ scheint der Welt zu sagen, dass der Kampf gegen den Aufstieg des religiösen Fundamentalismus möglich ist, wenn Staat und Bevölkerung ihn gemeinsam führen: "Im Kampf gegen den Islamismus gibt es nicht nur schlechte Nachrichten. Ich bin ein wenig überrascht, dass die Medien die Ereignisse bei den Wahlen in Marokko nicht berücksichtigt haben. (...) Zum ersten Mal ist eine islamistische Bewegung an der Wahlurne besiegt worden, und zwar deutlich. Und darüber sollten wir froh sein. Schauen Sie sich an, was der König von Marokko getan hat und wie er es getan hat, denn wir sprechen hier über seine Arbeit. Die Islamisten, die seit 10 Jahren an der Macht waren, sanken von 120 auf 12 Abgeordnete. Die Beteiligung hat zugenommen; dies ist eine historische Niederlage, die auch in Bezug auf Tunesien von Nutzen sein wird. Sie sehen also, wir müssen den Islamismus bekämpfen, ich würde sagen, entschieden bekämpfen, aber zeigen, dass er nicht unvermeidlich ist, auch in den von dieser Konfrontation betroffenen Staaten. Und ich denke, es ist falsch, diesen Ländern nicht zu helfen, es ist falsch, sie nicht würdigen. 

Und dies, wie er betont, in einem Kontext, in dem Marokko gerade seine Beziehungen zu Israel überdacht hat, was der islamistischen Rhetorik und der Aufwiegelung der Menschenmassen gedient haben könnte. Die marokkanische Bevölkerung hat jedoch beschlossen, den Islamisten den Weg zu versperren.

In derselben Fernsehsendung erklärte Gilles William Goldnadel, Essayist, politischer und kommunaler Aktivist, dass die französische Presse dieses bedeutende Ereignis im Verhältnis der politischen Kräfte auf regionaler Ebene und im weltweiten Kampf gegen den Terrorismus ignoriert, indem sie eine unbewegliche Position einnimmt, die es ihr nicht erlaubt, die wichtigen laufenden Ereignisse zu verstehen oder zu analysieren: "Merkwürdigerweise hat Marokko in den französischen Medien nicht die gleiche Presse wie Algerien. Algerien ist eine Republik, Marokko ist ein Königreich. Marokko ist jedoch demokratischer.

Die Erklärung von Julien Dray stützt die Analysen führender Terrorismusexperten und Akademiker, wie z.B. die kürzlich von Professor Patrick Dunleavy in der amerikanischen Zeitschrift NewsLooks.
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#36
@maghrebi:


Danke für den Artikel. Ich halte ihn für sehr gut. Auch bei uns könnte / müsste der Entwicklung viel mehr Beachtung geschenkt werden!
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#37
"Wir haben eine Ohrfeige für die PJD erwartet, aber nicht in diesem Ausmaß. Das Ausmaß der Niederlage ist eine Katastrophe", sagt Mounia Bennani-Chraïbi, politische Soziologin an der Universität Lausanne. "Wir sind mit der Niederlage einer Partei konfrontiert, die eine kämpferische Basis hatte und die Hoffnungen über ihre Basis hinaus geweckt hatte. Für diese Menschen wäre die PJD eine Partei wie jede andere gewesen. ...

In Frankreich wird behauptet, dass "die Niederlage der PJD politisch und ideologisch bedingt ist". "Wir haben nicht berücksichtigt, was gerade bei den Wahlen in Marokko passiert ist. Zum ersten Mal ist die islamistische Bewegung geschlagen worden, und darüber sollten wir uns freuen", sagte Julien Dray in einer Sendung des französischen 24-Stunden-Nachrichtensenders CNews. "Die Islamisten, die zehn Jahre lang an der Macht waren, sind von 120 auf 13 Abgeordnete geschrumpft, und die Wahlbeteiligung hat zugenommen, es ist also eine historische Niederlage", sagte er.

Der Rechtsanwalt Gilles-William Goldnadel erklärte seinerseits, dass "Marokko demokratischer sei als Algerien. Es ist schon komisch, dass [in der französischen Presse] viel von der "saharauischen Republik" die Rede ist, aber die Kabylei wird mit keinem Wort erwähnt", erklärte er und fügte hinzu: "Algerien wurde aus Ressentiments gegenüber Frankreich aufgebaut, Marokko blickt in die Zukunft. Dies ist nicht gerade eine Quelle der Sympathie für die konformistischen französischen Medien" ...
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#38
Erste Auswirkungen der Wahlen:
Die Wirtschaftsmetropole Marokkos wird von einer Frau geführt.


https://www.maghreb-post.de/politik/maro...meisterin/
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#39
Geht doch! Mabrouk! Smile
Das würde den Kerlen in Kabul wohl nicht gefallen.
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#40
Von 13 Abgeordneten bei der PJD sind 9 Weiblich da musste sich bestimmt der ein oder andere User/in sich bestimmt die Augen reiben passt gar nicht so in das Weltbild das man eingeprägt bekommen hatt.Die PJD ist genauso viel Islamisch wie die CDU Christlich ist.
Die neue Regierung hatt bekannt gegeben das sie aus Marokko das Islamisch geprägt ist in ein Liberales Land umwandeln möchten was bisher zu Demonstrationen und Verhaftungen geführt hatt. Ich Wünsch unserem Land weiterhin EinheitStabilität Frieden und Wohlstand
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