Hauskauf in Marokko
#1
Hallo.


Immer wieder werde ich damit konfrontiert, dass jemanden gesagt wurde, dass Ausländer in Marokko keine Grundstücke, Häuser oder Wohnungen kaufen dürfen.
Aus diesem Grund werden Anwesen oft auf den Namen eines marokkanischen Freundes, Bekannten oder Ehepartner gekauft.
Letzteres auch häufig wegen der Aussage des Partners, dass es „unkomplizierter“ wäre, wenn es auf den Namen des einheimischen Partners gemacht würde.
Diese Aussage ist falsch und bei einer Scheidungsrate von mehr als 80% bei marok./europ. Paaren meist mit fatalen Folgen!



Von der marok. Gesetzeslage her dürfen Ausländer hier in Marokko nahezu alles kaufen außer landwirtschaftlich genutzte Flächen.
Grundstücke, Baugrundstücke, Appartements, Häuser, alles darf gekauft werden, auch ohne Wohnsitz in Marokko, also nur mit einem ganz normalem Reisepass.
Landwirtschaftliche Anwesen od. Flächen können jedoch für max. 99 Jahre gepachtet werden.
Zu beachten ist, dass es außerhalb von Städten nur selten Grundbucheinträge gibt. Von solchen Käufen ist dringendst abzuraten, da der Verkäufer manchmal gar nicht der rechtmäßige Besitzer des Anwesens ist!

In den letzten Jahren habe ich mich erfolgreich in einem sehr aufwendigem Verfahren für die Rückgewinnung eines Wohnhauses eines Deutschen vor Gericht in Marokko eingesetzt.
Er hatte einem einheimischen „Freund“ vertraut, von dem er hinterher die Kündigung zum Wohnrecht für sein eigenes Haus erhielt.
Es geht jedoch nicht immer so glimpflich für die eigentlichen Eigentümer aus.



Deswegen gilt: Anwesen nur auf den Namen derjenigen eintragen lassen, die sie auch bezahlt haben!




Gerne kann ich Menschen die Probleme bezgl. ihrer Immobilie haben behilflich sein.




.
Mit besten Grüßen,

Thomas



In Marokko ist alles möglich nur nichts schnell.
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#2
(02.02.2021, 12:44)Thomas Friedrich schrieb: Von der marok. Gesetzeslage her dürfen Ausländer hier in Marokko nahezu alles kaufen außer landwirtschaftlich genutzte Flächen.

Gibt es ein behördliches Statement dazu oder hast du eine öffentlich einsehbare Quelle?

Ich war nämlich bisher auch auf dem Stand, dass der Hauskauf Ausländern untersagt ist.
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#3
Ich kannte eine Deutsche, ganz bei uns in der Nähe in Marokko, die ihr Haus gekauft hatte mit Grundbucheintrag etc. Leider lebt sie nicht mehr.
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#4
@Ahnma,



Zitat:Gibt es ein behördliches Statement dazu oder hast du eine öffentlich einsehbare Quelle?


So auf Anhieb habe ich das nicht.
Es ist ja auch immer schwierig von marokkanischen Behörden etwas schriftlich zu bekommen.


Ich kenne aber einige Ausländer ohne c.s.j., die hier Immobilien erworben haben.

Vom Gericht wurde mir diese Möglichkeit auch mündlich bestätigt.




.
Mit besten Grüßen,

Thomas



In Marokko ist alles möglich nur nichts schnell.
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#5
Ich habe vor 20 Jahren eine ETW in Agadir gekauft. Da hatte ich noch keine Card Sejour.
Das ging ohne weiteres
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#6
Lt natürlichem Menschenverstand, ist doch immer klar: Hauskauf nur auf eigenen Namen und nicht über dritte usw.
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#7
Hallo/Salam,

als Neuling in diesem Forum möchte ich alle hier recht herzlich begrüßen. Ich bin seit knapp 18 Jahren mit einer marokkanischen Frau verheiratet und wir haben sowohl einen Wohnsitz in Schwaben als auch in Rabat. Ich würde hier gerne meine Erfahrungen teilen.

Zum Wohneigentumserwerb:
Als Ausländer kann man problemlos Wohneigentum erwerben, vom Gegenteil habe ich noch nie gehört. Ausnahmen könnte es allenfalls bei öffentlich geförderten Sozialwohnungen (logement economique) geben, da kenne ich mich nicht aus. Ich und meine Frau haben Ende 2019 eine Wohnung in Rabat gekauft, leider nicht ganz billig. Meine Frau hat 2/3 des Kaufpreises beigesteuert, ich 1/3. Genauso steht es auch im Kaufvertrag und wir sind beide als Eigentümer im Grundbuch.

Dennoch gibt es einige Dinge zu beachten, wenn man keine böse Überraschung erleben will:

  1. Die meisten Privatverkäufer wollen einen Teil des Kaufpreises "schwarz unter dem Tisch", d.h. der offiziell registrierte Preis ist viel niedriger als der tatsächlich gezahlte. Der Grund ist die Steuer, die auf den Zugewinn bei Wiederverkauf gezahlt werden muss. Da die Kaufpreise in den letzten Jahren stark gestiegen sind, lässt sich da natürlich sparen. Vor diesen Praktiken kann ich nur dringend abraten. Erstens ist Steuerhinterziehung (und Beihilfe dazu) auch in Marokko strafbar, zweitens kommt die böse Überraschung dann beim Wiederverkauf der Immobilie. Leider ist es insbesondere in den Zentren der Großstädte kaum möglich, eine Wohnung ohne Schwarzgeldforderung zu finden. Wir haben jahrelang in Rabat gesucht und sind immer wieder abgeblitzt, wenn es auf die Zahlungsmodalitäten kam.
  2. Sollte die Immobilie zumindest teilweise mit Devisen bezahlt werden, sollte das Geld zunächst in Euro auf ein Dirham-convertible-Konto einer marokkanischen Bank überwiesen werden. Nur so besteht die Möglichkeit, das Geld bei einem Verkauf wieder nach Europa zuückzuholen. Allerdings habe ich noch nicht ausprobiert, ob das im Ernstfall wirklich funktioniert.
  3. Nach Unterzeichnen des Kaufvertrags sollte der Kaufpreis an den Notar gezahlt werden, nicht direkt an den Verkäufer. Der Notar gibt das Geld erst dann weiter, wenn der Grundbucheintrag erfolgt ist. Anders als in Deutschland gibt es keine Auflassungsvormerkung, die verhindert, dass ein betrügerischer Verkäufer die Immobilie mehrfach über verschiedene Notare verkaufen kann. Voraussetzung ist natürlich, dass der Notar vertrauenswürdig ist.
  4. Niemals eine vermietete Immobilie kaufen, auch wenn versprochen wird, dass die Mieter bald ausziehen oder ihnen leicht gekündigt werden kann! Mieter sind in Marokko noch besser geschützt als in Deutschland und da die Mieten noch rasanter gestiegen sind als die Kaufpreise, wird kaum einer seine Wohnung freiwillig verlassen. Eigenbedarfskündigungen gibt es nicht. Selbst wenn ein Mieter verstirbt, können die Erben weiter in der Wohnung bleiben.
  5. Viele Eigentümer kaufen eine Wohnung als Kapitalanlage bzw. Spekulationsobjekt und lassen sie dann leer stehen. Da sie dort nicht wohnen, sehen sie oft nicht ein, dass sie für die Gemeinschaftskosten wie Aufzugswartung, Reparaturen am Dach, etc. mit aufkommen müssen. Entweder zahlen dann die restlichen Eigentümer alles oder das Gebäude verkommt mangels finanzieller Mittel. Einem französischen Bekannten ist das widerfahren, der eine Wohnung in der Palmeraie von Marrakech gekauft hat. Die einst luxoriöse Anlage verfällt immer mehr, da die Zahlungen für Gärtner, Müllsammler etc. ausbleiben. Inzwischen bereut er den Kauf, könnte die Wohnung wegen des schlechten Zustands aber nur mit Verlust verkaufen.
  6. Bei Häusern mit Tiefgarage unbedingt testen, ob man den zugeteilten Parkplatz gut anfahren kann. Ich habe Häuser erlebt, wo die Stützen im Keller so eng gesetzt waren, dass man selbst mit einem Smart kaum in seine Parkbucht kommt.
  7. Wenn man sich mit dem Markt nicht sehr gut auskennt, kann es tatsächlich sinnvoll sein, einem Einheimischen seines Vertrauens die Preisverhandlungen zu überlassen. "Langnasen" werden vielfach stark überhöhte Preise angeboten, die sich auch durch Verhandeln dann kaum noch senken lassen. Den Kaufvertrag sollte(n) natürlich nur der (oder die)unterschreiben, der bezahlt.
Schöne Grüße

Mike
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#8
Hallo Mike,

willkommen hier im Forum und besten Dank für Deinen konstruktiven Beitrag!




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Mit besten Grüßen,

Thomas



In Marokko ist alles möglich nur nichts schnell.
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#9
(25.02.2021, 19:05)Thomas Friedrich schrieb: Hallo Mike,

willkommen hier im Forum und besten Dank für Deinen konstruktiven Beitrag!




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Danke Thomas!  Smile

Noch ein Nachtrag zum Thema "Haus- und Wohnungskauf": Vorsicht bei den Flächenangaben!  Ich habe mir bei den Wohnungen, die in die engere Wahl fielen, die Mühe gemacht, die Wohnfläche nachzurechnen. Praktisch immer kamen 10-20% weniger heraus als vom Verkäufer angegeben. Es kam dann heraus, dass Balkons, Terrassen und sogar das gemeinschaftliche Treppenhaus als "Wohnfläche" gezählt wurden. Also auch hier "Augen auf vor dem Kauf" und die Fläche nachrechnen (lassen). 

Gruß

Mike
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#10
(25.02.2021, 17:09)Mike schrieb:
  1. Die meisten Privatverkäufer wollen einen Teil des Kaufpreises "schwarz unter dem Tisch", d.h. der offiziell registrierte Preis ist viel niedriger als der tatsächlich gezahlte. Der Grund ist die Steuer, die auf den Zugewinn bei Wiederverkauf gezahlt werden muss. Da die Kaufpreise in den letzten Jahren stark gestiegen sind, lässt sich da natürlich sparen. Vor diesen Praktiken kann ich nur dringend abraten. Erstens ist Steuerhinterziehung (und Beihilfe dazu) auch in Marokko strafbar, zweitens kommt die böse Überraschung dann beim Wiederverkauf der Immobilie. Leider ist es insbesondere in den Zentren der Großstädte kaum möglich, eine Wohnung ohne Schwarzgeldforderung zu finden. Wir haben jahrelang in Rabat gesucht und sind immer wieder abgeblitzt, wenn es auf die Zahlungsmodalitäten kam.

Nun ja, so eine Steuerhinterziehung wird wohl unwahrscheinlich aufgedeckt werden, allerdings hat der neue Käufer bei diesem Spiel das Nachsehen da bei einem Verkauf mit Preissteigerung er wiederum auf dem Papier einen höheren Gewinn erhält. Vielleicht ist deshalb der Druck bei jedem Verkäufer dasselbe zu tun so hoch.

Danke für die detaillierte Auflistung potentieller Gefahren!
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#11
Auch von mir ein herzliches Danke für die vielen guten Informationen.
Zum Thema „schwarz unter dem Tisch“ kann man ja viel sagen. Allerdings gehen diese Warnungen komplett an der Realität vorbei. Schwarzgeld ist halt gang und gäbe in Marokko. Wer nicht mitspielen
will, wird eben am Ende nicht kaufen. Als Antwort auf die Frage „was mache ich dann beim Verkauf?“: na, das Gleiche!
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