Schritt-für-Schritt-Anleitung der Eheschließung in Marokko
Hallo HerrArzt,

gerne schreibe ich später mehr über die Hochzeit bei den Saharaouis. In anderen Teilen Marokkos feiert man anders. Es gibt eine Art „Zeremonienmeisterin“ = negafa, die da tätig wird & managt.

Bevor ich erzähle, warte ich noch auf Schilderungen anderer User hier, am besten von MarokkanerInnen.

Da ich mein Glück hamdulillah spät fand, hatte ich nicht die „typische“ Feier, war aber schon auf vielen Hochzeiten junger Leute, könnte einen Film drehen / ein Buch schreiben.

Empfehlung:
Lerne unbedingt Arabisch, zumindest Schrift & Lesen dürften für dich durch den Qur‘an einfach sein.
Ich habe das Glück, Leute in der Nähe zu haben, die sehr gut Französisch sprechen, es gibt keine Verständigungsprobleme. Mit meinem Arabisch komme ich durch.

WICHTIG:
Du machst deiner zukünftigen Frau bitte nicht „bisschen“ Goldgeschenke, sondern ordentlich! Da darf man nicht deutsch-geizig sein!
Und die „mahr“ = „mehir“?? muss hoch sein. Sie garantiert deiner Frau ein ordentliches Auskommen im Notfall.

Das WICHTIGSTE: ein EHEVERTRAG! Lass dich beraten!

Die Kosten der Feier im Haus der Braut (plus Kamel, bei uns im Süden ein Muss) werden von Brautelternseite getragen. Die im Haus der Bräutigamsfamilie von dort. Kann 3 Tage dauern…..

Ich habe leider schon erlebt, dass sich für Hochzeiten lebenslang verschuldet wurde. Nicht gut!
Gibt es eine europäische Familie, wird von dort Mithilfe erwartet…..

Gerne nehme ich euch später mit auf die Hochzeit im grand sud.

Ich höre schon das „zahrit“ der Frauen in meinen Ohren….

Gruß,
bulbulla

Vllt. machst du ein extra Topic „Hochzeitsbräuche“ auf?
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Hallo Bulbulla,

du musst verstehen, dass mittlerweile nur noch wenige Türken den Quran lesen können. Es ist nicht wie bei den Arabern so, dass sie die Sprache in den Schulen lernen. In Deutschland sieht die Sache sowieso anders aus. Da schicken die Eltern ihre Kinder wenn überhaupt zu den Moscheen, damit sie Unterricht erhalten. Da müsste er zunächst Fusha lernen. Darija ist letztendlich nur ein Dialekt.

Zu Mahr muss man halt verstehen, dass die Frau den Anspruch darauf hat. Das ist auch ihr Recht. Und wenn sie kiloweise Gold möchte, kannst du da nicht verhandeln. Hier ist auch wichtig, dass du in einer Notsituation die Brautgabe nicht zurückfordern kannst. Wenn sie es aber freiwillig gibt, so kannst du es nehmen.
Ob du es bewältigen kannst, musst du dann selber entscheiden. Ich empfehle dir aber dich deswegen nicht zu verschulden. Zinsen sind etwas Abscheuliches und sie zerstören die Ehen.

Bzgl. Hochzeit müsste man einen zusätzlichen Thread erstellen. Das kann man nicht in einem Satz zusammenfassen. Erwarte aber nicht wie bei unserer Kultur, dass die Marokkaner dir Geld oder Gold geben werden. Da sind unsere Hochzeiten deutlich "profitabler".
Das Gleichnis Seines Lichts ist wie ein Lichtbehälter in dem sich eine Laterne befindet. Die Laterne befindet sich in einer Glasflasche. Die Glasflasche ist so, als wäre sie ein hell leuchtender Himmelskörper.
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Auf jeden Fall brauchen wir einen anderen Thread für Hochzeiten..

1) Ehevertrag, auch wenn es sehr sinnvoll und rational ist, kommt mir seltsam vor, das vor der Ehe zu machen. Das alleine eben bringt ja ein Missvertrauen in die Beziehung. Oder was meint man damit genau? Soweit ich weiß, muss ein richtiger Ehevertrag durch Anwälte vorbereitet werden. Oder meint man damit, dass man ein paar Zeile in den Niqah-Contract schreibt?

2) Arabisch zu lernen ist seit Jahren mein Traum und wahrscheinlich bleibt auch als Traum, da es sehr schwierig ist. Aber vielleicht gibt Allah eines Tages Kraft und Motivation , damit ich das lernen kann..  Auch wenn ich Quran-Arabic lesen kann, habe ich Probleme, normale Schrifte zu lesen. Ich verstehe sowieso nix..

3)Für Mahr sollte man auf keinen Fall in Schulden geraten, das empfehle ich auch keinem.

Enes wie schaffst du deine Kommunikation mit den Angehörigen deiner Frau? Kannst du arabisch oder französisch?
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Übrigens habe ich das neue Thema Hochzeitsbräuche- und Traditionen erstellt. Lass uns dort austauschen Smile
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Zu 1: Dieses Thema ist ein sensibles Thema. Ich habe diesbezüglich eine andere Meinung. Jeder tickt diesbezüglich anders. Wenn du meine Meinung wissen möchtest, dann schreibe mir eine PN.

Zu 2: Vergleich den Quran nicht mit der heutigen arabischen Sprache. Im Quran hast du auf den Buchstaben Vorzeichen, weshalb dies das Lesen erleichtert. In sämtlichen arabischen Ländern lernt man generell Fusha. Quasi das Hocharabisch. Von Land zu Land hast du aber unterschiedliche Dialekte. Die Araber benutzen jedoch keine Vorzeichen, da sie die Wörter kennen. Für die Grundschüler benutzen sie soweit ich weiß am Anfang noch die Vorzeichen, aber diese werden dann mit der Zeit auch entfernt. So die Aussage meiner Frau.

Zu deiner letzten Frage muss ich sagen, dass ich jahrelang gelernt habe. Du musst aber nicht das selbe machen.
Meine Eltern hatten mich zu einem privaten Hodscha geschickt, der mir das Quran-Lesen beibrachte. Mit 7 Jahren ging es los. 3 Jahre lang war ich bei ihm. In der Zeit habe ich das Lesen, das Schreiben sowie verschiedene Lesemethoden gelernt wie z.B. Tajwid. Verstanden habe ich aber dennoch kein Wort. In den 3 Jahren durfte ich nach der regulären Schulzeit auch noch zum Türkisch-Unterricht, da ich zuhause hauptsächlich nur kurdisch gesprochen habe. Mein türkisch war daher sehr brüchig.

Als Kind wird man dann mit der Zeit rebellisch, weil man irgendwann anfängt sich zu fragen, warum man etwas lernt, wenn man es nicht ein mal versteht. Mit 10 habe ich den Hodscha nur noch genervt, bis er dann mit meinem Vater sprach und ihm empfohlen hatte mich zum Internat zu schicken. Ab meinem 10. bis zum 16. Lebensjahr durfte ich dann an allen Schulferien wie Sommer, Herbst und Winterferien zum Internat. Eventuell kennst du diese Internate, die seitens türkischer Moscheen organisiert werden. In der Zeit habe ich islamische Literatur, Biographien der Propheten, Quran-Erläuterungen sowie türkische Literatur gelernt. Aber arabisch? Wieder Fehlanzeige. Dann gab es eine Pause für mich aufgrund der Abiturphase. Mit 18 habe ich eine Ausbildung zum Kälteanlagenbauer begonnen und sie mit 21 erfolgreich absolviert.

Und in der Zeit gab es dann einen Wendepunkt in meinem Leben. Ich habe in der Zeit einen Syrer sowie einen Palästinenser kennengelernt. Beide konnten Fusha, da sie zuvor in ihren Ländern zur Schule gegangen sind. In den 3 Jahren haben sie mir Fusha beigebracht und im Austausch habe ich ihnen Mathematik, Formeln und alles andere bezüglich der Kältetechnik beigebracht. Man lernt natürlich dann auch nebenbei deren Dialekte. Ihre Dialekte sind sich ähnlich. Es gibt aber Abweichungen.

Auf Empfehlung habe ich noch Tafseer gelernt. Quasi die Sprache des Qurans. Dafür gibt es aber eine Lernplattform von Nouman Ali Khan. Die Plattform heißt Bayyinah TV. Für Muslime kostet es etwas, für Nicht-Muslime ist es jedoch umsonst. Dort gibt es Lernmaterial von über 2000 Stunden. Da kommt es auf dich an, wie viele Stunden du investieren möchtest. Ich habe dafür 3 Jahre benötigt. Insgesamt habe ich 15 Jahre dafür investiert und stecke immer noch Zeit hinein um weiterzulernen. Musst du dafür so viel investieren? Nicht mal ansatzweise. Ich kenne meine Frau seit knapp 4 Jahren. In der Zeit habe ich diesen Dialekt ebenfalls gelernt. Mach also 19 Jahre daraus. Da Marokkaner ebenfalls Fusha sprechen, hatte ich von Anfang an keine Probleme.

Französisch hatte ich ebenfalls gelernt gehabt, aber schon während der Ausbildungszeit vergessen. Die Sprache war für mich unnötig. Als blutiger Anfänger müsstest du mit 3-4 Jahren rechnen, je nachdem wie viel Zeit du investieren möchtest. Lern lieber Darija, da deine Frau ihnen auch Darija beibringen wird. Du wirst kein Wort verstehen und wie ein Esel zuschauen, während sie sprechen werden. Fang mit Fusha A1 einfach an.
Das Gleichnis Seines Lichts ist wie ein Lichtbehälter in dem sich eine Laterne befindet. Die Laterne befindet sich in einer Glasflasche. Die Glasflasche ist so, als wäre sie ein hell leuchtender Himmelskörper.
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(21.07.2026, 06:23)bulbulla schrieb: Hallo HerrArzt,

gerne schreibe ich später mehr über die Hochzeit bei den Saharaouis. In anderen Teilen Marokkos feiert man anders. Es gibt eine Art „Zeremonienmeisterin“ = negafa, die da tätig wird & managt.

Bevor ich erzähle, warte ich noch auf Schilderungen anderer User hier, am besten von MarokkanerInnen.
Ja, ein Thread über Hochzeitsbräuche wäre sehr interessant. Wie das bei den Sahraouis läuft, würde mich sehr interessieren, da weiß ich so gut wien nichts. Ich war bisher auf 3 marokkanischen Hochzeiten eingeladen, davon allerdings 2 in Deutschland, wovon wieder eine türkisch-marokkanisch war. Hier gab es eigentlich keinen Unterschied zu deutschen Paaren, außer dass der Kirchbesuch natürlich entfiel. Standesamt, Brautstraußwerfen und ein einfaches Essen mit ca. 30 Leuten und Musik aus der Konserve. Das lag vielleicht auch daran, dass die Brautfamilien finanziell nicht wirklich gut gestellt waren. Das andere (marokkanisch-marokkanische) Paar war sehr religiös, da gab es keine Musik sondern zwei Leute, die stundenlang Koranverse rezitierten. Da ich davon nichts verstand, wirkte es auf mich recht eintönig.

Die dritte Hochzeit in Casablanca war dagegen ein opulente Sause, allerdings vom Ablauf auch eher europäisch. Zumindest der Bräutigam kam aus einer recht wohlhabenden Familie, sein Onkel hat die Feier komplett gesponsert, einschließlich der Geschenke für Braut (Mittelklassewagen) und Bräutigam (Sportwagen mit Stern auf der Haube). Es herrschte ein sehr formeller Dresscode, Anzug und Krawatte waren Pflicht. Für Unterhaltung sorgte ein traditionelles marokkanisches Chaabi-Orchester sowie eine Jazzband. Da fanden sich dann schnell die meisten Gäste auf der Tanzfläche wieder. Ebenso war ein professionelles Fotografenteam u.a. mit Videodrohne zugegen. Dann wurde die mannshohe Torte angeschnitten. Natürlich war auch die Verköstigung der Gäste vom Feinsten.

Leider war die Ehe nur von kurzer Dauer, es stellte sich heraus, dass sie eine Allergie gegen Katzenhaare hatte, während er ein Fan langhaariger Rassekatzen war. Er musste sich also zwischen seiner Frau und den Katzen entscheiden. Die Katzen hat er heute noch. Kurzum, die ganze teure Feier war letztendlich für die Katz.  Smile
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